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Warum man nicht ohne Mosel-Riesling leben sollte.

Weißwein-Patrioten

Als österreichisch erzogene Weintrinker verlangen unsere Gaumen vor allem eines: Frische, Säure & feine Frucht. Wir kennen Riesling als edlen Klassiker, den die Wachau-Winzer in unserem Land groß gemacht haben und genauso mögen wir ihn auch! Warum genau sollten wir uns also für Riesling aus Deutschland interessieren? Ganz einfach: it’s a gamechanger.

Lagen-Veranlagung

Der „gamechanging“ Effekt ist auch leicht erklärt. Um einen besonderen Wein zu machen, braucht es 3 Komponenten. Das richtige Klima, den richtigen Boden und sauberes Handwerk. Und weil die Lagen der Mosel in allen drei Kategorien eine Ausnahmeerscheinung darstellen, bringen sie Weine hervor, die so unverwechselbar sind, dass ich jedem von euch zutraue, einen Mosel-Riesling blind zu erkennen.

Die Mosel ist der zweitlängste Nebenfluss des Rheins und fließt von Frankreich über Trier bis nach Koblenz. Das ist weit aus nördlicher als die österreichischen Weingebiete und sogar noch "weiter oben" als Frankreichs nördlichstes Weinbaugebiet, der Champagne. Das bedeutet grundsätzlich einmal kühles Klima und das wiederum bedeutet langsame Reife der Trauben.

Das Weinbaugebiet Mosel hat aber ein bedeutendes Ass im Ärmel – nämlich die Gegebenheit des Moselflusses selbst. Der Fluss windet sich in unendlich vielen Kurven durch das Moseltal, und bietet dabei in jeder Kurve die Möglichkeit, einen Hang optimal nach Süden auszurichten, dort wo die Sonne am direktesten auf den Weinhang trifft. Und je steiler der Hang – desto direkter trifft Sonneneinstrahlung auf Traube (Wein ist Wissenschaft, i sog’s eich!). Und steil ist es an der Mosel wahrlich. Nach ca. 70km Radtour vorbei an bereits beeindruckenden Hängen mit den einzigartigen Mosel-Mini-Seilbahnen (siehe Foto unten), mit denen die Trauben bei der Lese bergab transportiert werden, erblickt man ihn langsam, doch gewiss. Den steilsten Weinberg der Mosel – den steilsten Weinberg weltweit.

Mount Everest der Weinberge

Man muss vom Rad absteigen und kurz innehalten. Der Blick gleitet von einem gefährlich abfallenden Stückerl Rebfläche zum nächsten. Unfassbar, wie Winzer dort das ganze Jahr über ihre wertvollen Rebkinder pflegen und hegen. Nach mehrstündiger Radtour sind wir mehr als bereit um dieses Weinwunder auch zu kosten und machen am Weg beim jungen Winzerpaar Franzen halt. Gebannt frage ich, ob man den Rebschnitt hier hoffentlich angeseilt macht und denke dabei an die Mönchberger Putzarbeiten (Salzburger wissen Bescheid).

Nix da, gute Schuhe sind alles was es braucht, sagt Angelina und deutet dabei auf die offenbar täglich getragenen Bergschuhe vor dem Hauseingang. Fast ehrfürchtig genießen wir den Quartz-Schiefer Riesling 2018 mit Blick auf den Calmont – mineralisch, salzig, feine Säure und elegante Frucht. Mindblowing.

Übernachten tun wir spontan im bodenständigen aber irgendwie witzigen Fachwerkshaus Hotel Mosella in Bullay. Alles was man braucht inkl. renoviertem Bad!

 

Das Aufsitzen am nächsten Tag ist nach 80km relativ ungalant, aber der Ausblick auf wahnwitzige Lagen wie den Ürziger Würzgarten oder die Wehlener Sonnenuhr und die Vorfreude auf weitere Weinentdeckungen machen es leichter. Unser Ziel für Tag 2: Zeltingen-Rachtig und das Weingut Selbach-Oster!

It runs within the family

Hannah ist eine der Personen, die mich dazu bestärkt haben und es auch weiterhin tun, dass Wein eine erzählenswerte Leidenschaft ist. Sie ist Tochter des exportstarken Spitzen-Weinguts Selbach-Oster und steigt durch spontane Karenzvertretung gerade more quickly than slowly in die Geschäfte ein. Ihr Weg als Wirtschaftsstudentin zur Winzerin und ihre Entscheidung für’s Familienbusiness ist einen eigenen Artikel wert – kurz um: hier gibt es geballte Family-Power. Die neugebaute Vinothek ist schlichtweg mehr als repräsentativ – schließlich verkosten hier Gäste aus aller Welt – insbesondere aus dem Export-stärksten Markt, der USA.

Gemeinsam kosten wir uns durch die Vielfalt der Mosel und lassen uns dabei genau erklären, dass „Kabinett“ und „Spätlese“ hier keine Süßweine bezeichnet (wie das in Österreich der Fall ist) sondern lediglich die Zeit der Lese beschreibt – jedoch beides immer häufiger auch trocken ausgebaut wird (das heißt der Zucker wird vollständig in Alkohol umgewandelt, sodass nur eine geringe Restsüße zurückbleibt). Viele Aha-Erlebnisse und 10 16tel (eh easy...) später, verabschieden wir uns mit Bussi Baba Bis sehr bald und radeln weiter ins nahegelegene Städtchen Bernkastell.

WinePorn

Das Weinhaus Porn ist die lokale Gebietsvinothek und bietet die perfekte Gelegenheit, mehrere Winzer auf einen Schlag kennenzulernen. Auch kann man dort spontan aufschlagen, was im Vergleich zu manchen Weingütern natürlich praktisch ist. Der Name ist quasi aufg'legt für spannende Wein-Kooperationen mit namhaften Winzern und ist auch ganzer Stolz des Vinothekars, der uns beide unheimlich stark an Loriot erinnert. Die WinePorn-Serie, insbesondere der Wein von Exil-Schweizer Daniel Vollenweider entlocken uns ein siegessicheres Schmunzeln. Zitat von Papa nach dem ersten Schluck: „Das ist er.“ Wir runden den Abend mit einem Abendessen im Zeltinger Hof ab und lassen uns vom Sommelier und Inhaber Markus Reis und seinem super zuvorkommenden internationalen Team zu jedem Gang mit einer Geschmacksexplosion überraschen – fulminant und mit 60€ für 4 Gänge und 8 Weine preislich unschlagbar!

Ganz ohne Kopfweh (niedriger Alkohol & Mosel-Qualität sei Dank) starten wir am nächsten Tag die letzte Etappe, die wir aufgrund der fast-Frost Temperaturen ein wenig verkürzen. Vorbei an versteckten Gärten und grünen Wiesen fahren wir diesmal landeinwärts und steigen in Wittlich in den Zug zurück nach Trier.

Tipp: lieber etwas mehr Zeit einplanen, dann bleibt einem am Rückweg noch die Zeit, mit dem Auto ein paar mehr Flascherl einzupacken, als die Radtaschen es hergegeben hätten.

Wir beenden unsere Tour feierlich im yamamoto’s eleven mit Crunchy Rolls und Piesporter Goldtröpfchen und geloben feierlich: wir werden jetzt Mosel-Botschafter! Zum Wohl!

Trip-Info

Schlafen:

Essen & Trinken: 

  • Weinstube Kesselstadt (Typisches Essen, feiner Wein und trotz Gastgarten direkt vorm Dom bodenständige Preise)

  • Zeltinger Hof (Zeltingen-Rachtig) - Erlebnis auf ganzer Linie, Restaurant & Zimmer

  • Rieslinghaus aka Weinhaus Porn (Bernkastell) - Weinverkostungen um 7€/Person und Parma-Teller, yaas. 

  • yamamoto eleven (Trier) - Hipper Asiate in der Innenstadt mit monatlich anderem regionalen Fokus und Top-Weinpairing

Radtour: 

  1. Mit dem Auto nach Trier

  2. Räder in den Zug und rauf nach Koblenz

  3. Etappe 1: Koblenz - Bulay (ca. 90 km), das erste Stück aktuell durch Baustelle nur auf der Autostraße befahrbar

  4. Etappe 2 : Bulay - Zeltingen (ca. 45 km)

  5. Etappe 4: Zeltingen - Wittlich (ca. 40km, optional aber durch bis Trier - 90km)

  6. Mit dem Zug von Wittlich nach Trier

Lieblingswinzer: 

Weingut Franzen - Bremm

Daniel Vollenweider

Traben-Trarbach

Weingut Selbach-Oster 

Zeltingen

Weingut Axel Pauly

Lieser

Maximin Grünaus

Mertesdorf

WEIN.TASTINGS

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